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500 Jahre Hofgeschichte

500 Jahre Hofgeschichte: Glocknerhof noch älter als bisher angenommen

Zameterhof Landkarte

500 Jahre Hofgeschichte
Glocknerhof noch älter als bisher angenommen

Der Glocknerhof steht auf historischem Boden, das wussten schon unsere Elterngenerationen, der alte Hofname bzw. Vulgarname „Zametterhof“ wird ja noch heute verwendet. Jetzt haben wir aber mal gründlich in den Archiven nachgeforscht, um einen Überblick zu bekommen.

Im Jahre 1267, als der große italienische Maler Giotto geboren wurde, kommt die landesfürstliche Besitzung im sogenannten „Greifenburger Urbar“ erstmals urkundlich vor. Grund war ein Erbteilungsvertrag der Spanheimer Herzöge, zu dessen Zweck alle Besitztümer aufgelistet werden mussten, auch jene der Pfarrkirche Berg und der Herrschaft Greifenburg. Die Dokumente befinden sich heute im achäologischen Museum von Cividale (Friaul). Der Zametterhof wurde aber wohl schon einige Jahrhunderte früher von Kolonisten gegründet, als die unwirtlichen Wälder im Oberdrautal urbar (fruchtbar) gemacht wurden.

Erste Erwähnung 1514

In den Besitzurkunden taucht der Name Zameter Anfang des 16. Jahrhunderts auf, als Christoph Kolumbus gerade Amerika entdeckt hatte. Heute genau vor 500 Jahren, in einem Urbar und Zehentregister aus dem Jahre 1514, wird vermerkt, dass ein gewisser Lucas Zameter vom Sprengergut und einer Eden genannt „Sanbid“, mit angrenzenden Anger und Gerichtsacker bei der Straße Weizen, Roggen, Gerste usw. an die Herrschaft Greifenburg diente. Zehn Jahre später, 1524, dient Jörg Zametter, Sohn des Lucas, von einem Gut, auf dem der Springer ansässig war, sowie von einer „Öden genannt Zanwirt“. Hier steht also der Name „Zameter“ für den Familiennamen, der Vulgarname, der Hof, auf dem die beiden ansässig waren, hieß damals (vulgo) „Sprenger“.

Zametter als Hofname setzt sich dann aber rasch durch. Höchstwahrscheinlich war auch der erste Besitzer, der dem Hof seinen Namen gab, ein Zameter mit Familie, und seit Generationen auf dieser Realität ansässig. Woher der Familienname Zameter stammt, ist nicht bekannt. Er findet sich häufig im nahen Gailtal. Als „Zamer“ wird in Oberkärnten jedenfalls der Brautführer bei Hochzeiten genannt, und als „Zam“ wird der, der die Tiere häuslich macht. bezeichnet. Leute, die mit Pferd oder Maultier Lasten beförderten, wurde in Oberkärnten als „Saman“ (Zaman) bezeichnet.

Durchgehende Dokumentation ab 1612

Am 24. August 1613 verkauft ein gewisser Thoman Laßnig das sogenannte „Zämetergueth“, in anderen Urkunden Zamedthuebe“ an Khirbian Niedermüller. Schon ein Jahr früher, wird der Käufer als „Cirbion Nidermüller ÿezt Zämeter Herrschafft Greiffenburg Vrbars Vnndterthan“ bezeichnet. Doch er bleibt nicht lange Besitzer, möglicherweise konnte er den Kaufpreis nie vollständig begleichen. Neuer Besitzer des „Zhämeter Gueth´s“ war ab 13. Oktober 1617 der vermögende Greifenburger Ratsbürger und Gastwirt Christian Moser, der sicherlich nie vorhatte, das Gut selbst zu bewirtschaften. 1625 sitzt jedenfalls sein Schwiegersohn „Anthoni (vulgo) Zämeter“ auf dem Hof, der drei Jahre später, 1628, als „Anthoni Hopfgarth`[ner]“ den „Zameter Hoff“ offiziell übernimmt.

Der neue Besitzer Anton Hopfgartner, auch Mayr vulgo Zameter, geboren um 1599, wird gut beurkundet. Er erwirbt 1639 von Mathesen Prenner einen Forst, 1659 von Sebastian Aichholzer „die Alben Oxen Schlucht“, 1659 von Hanns Tröbisiner ein Grundstück und er wird schließlich in seinem vom 31. Jänner 1664 noch erhaltenden Nachlass-Inventar „an der Zämeten in Berg Rott der Herrschaft Greiffenburg freistiftlich gewester Untertan“ genannt.

Warum es 1666 zu einem neuerlichen Besitzwechsel an der Zameter-Realität kommt, wissen wir nicht. Es waren aber damals - bis auf die Witwen Helena und Ursula – alle Kindeserben noch minderjährig. Jedenfalls erwirbt ein Michael Satlegger aus Stockenboi mit Kaufbrief vom 16. Dezember 1666, von der damaligen Besitzerin der Herrschaft Greifenburg, der Reichsgräfin von Kronegg, den Zämeterhof mit allen Rechten und Pflichten. Ihm folgt 1678 Michael Satlegger der Jüngere, vulgo Zämeter (*1650). Die Familie Sattlegger (noch heute Besitzer des Unteren Zametters), ist damit fast 350 Jahre ununterbrochen auf dem Hof.

1698 Teilung der Zameter-Realität

Im Jahre 1698 kommt es wieder zu einer einschneidenden Veränderung. Die Option auf freie Veräußerung des Anwesens erlangt für Michael Satlegger im Herbst des Jahres besondere Bedeutung. Am 24. Oktober verkauft er das halbe (untere) Zämetergut (Behausung, Mayrhof, Stallung, Äcker, Wiesen, Hausmühle, sowie Forst und Almgerechtigkeit in der Ochsenschlucht, Wasserleitung, Holz- und Stockrecht) um 400 Gulden an Christian Lackner. Das Gut wird also geteilt, und fortan – lediglich von einem kurzen Intermezzo um 1727/52 gestört – bis zum heutigen Tag getrennt besessen und bewirtschaftet. Ab diesem Zeitpunkt sprechen die Urkunden von der Oberen Zameter-Realität Nr. 43 (Glocknerhof) und der Unteren Zameter-Realität Nr. 44 zu Berg.

1732 Großbrand vernichtet den Hof

Hans Satlegger vulgo Zämeter (*1679) übernimmt nach dem Tode Michaels 1716 die halbe Hube (Oberer Zameter) und 1720 eine Keusche zu Berg, die er von Lienhard Rieger gekauft hat. Schon 1727 verkauft er die väterlich ererbte Obere Zameterhube jedoch an Christoph Waltl (*1696) und zieht – bis zum Erwerb der Unteren Zameterrealität im Jahre 1745 durch seinen Sohn Ruep - mit seiner Familie auf die vom Rieger erworbene Keusche.

Den Besitzern der beiden Zameter-Realitäten Christoph Waltl und Franz Lackner, widerfährt aber bald großes Leid. 1732 brennt die gesamte Zameter-Behausung bis auf die Grundmauern ab, 1752 ist Christoph Waltl in einen erbitterten Grenzstreit mit seinem neuen Nachbarn Ruep Satlegger (*1715) „an der unteren Zämeter Hueben“ verwickelt. Ruep, ein Sohn des Hans Satlegger, hat den unteren Zameterhof vom Lackner-Erben Franz 1745 zurückgekauft.

1838 Jakob Seywald neuer Zametter

Christoph Waltl jun. (*1734) übernimmt ab 1756 das obere „Zamettergueth zu Perg“, jetzt auch Stof-Zameter genannt. Sein neuntes Kind Joseph Waltl (*1767) wird 1802 Nachfolger. Der wiederum übergibt 1828 an seinen Sohn Johann-Christoph (*1804). Wohl wegen Alkohol und finanzieller Schwierigkeiten wird der Besitz 1837 vom Bezirksgericht Greifenburg versteigert. Mit Kaufvertrag vom 7. November 1837 und bezirksgerichtlicher Bewilligung vom 14. Jänner 1838 erwirbt Jacob Seywald die Obere Zameter-Realität in Berg Nr. 43. Er entstammt einem bereits im 16. Jhrt im Lesachtal ansässigen Bauerngeschlecht und tritt nun, im Alter von 50 Jahren, den neuen Besitz an.

Jacob ist übrigens der Ur-Ur-Ur-Großvater von Adolfo, dem heutigen Chef am Hof. Er hat den Besitz wie schon seine Elterngenerationen ausgebaut und weiter vermehrt. (ws)

Weitere Links:
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