Blog vom Glocknerhof - rote Blumen, Rosen

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Der Berger Partl Lauf

Krampus in Oberkärnten

Jedes Jahr rund um den Krampustag kommen die Perchten und sorgen für aufregende Spektakel und Umzüge. Im Drautal nennen wir sie „Partl“, und die Berger Partln haben bereits Tradition. Die Partl-Umzüge sind beliebter Treffpunkt in kalten Dezembernächten. Doch woher kommt diese Tradition?

Die Partl (= Perchtl) sind höchst beliebt, ungeachtet wegen ihres schrecklichen Aussehens, doch bereiten sie den Brauchtumsexperten Kopfzerbrechen. Denn: Perchten-Glaube und Krampusbrauch gehören zu den schwierigsten und vielfältigsten Kapiteln der Volkskultur. Brauch und Figuren dürften weit ins Mittelalter bzw. in 'mythisch'-heidnische Vorzeit zurückreichen. Die Herkunft des Wortes „Krampus" ist ungeklärt. Es ist in den alpenländischen Dialekten der Name für den wilden, d.h. maskierten und zottigen Begleiter des vorweihnachtlichen Heiligen Nikolaus. Der einzelne Krampus oder eine Krampus-Gruppe entspricht hinsichtlich der Funktion also dem „Knecht Rupprecht"; 'ihre Zeit' sind der 6.Dezember und die Tage unmittelbar davor.

Das Wort „Percht" ist v.a. in Österreich und Bayern verbreitet. Es erscheint in zahlreichen Wortzusammensetzungen (Schiachperch, Schönpercht, Perchtlfrau). Bezeichnet werden damit Masken-Figuren unterschiedlichen Aussehens, von fast feierlicher Schönheit bis zu grotesker Fratzenhaftigkeit. Die Perchten erscheinen einzeln und in Gruppen, an drei Winterabenden, den „rauhen Nächten" vor Nikolaus (6. Dezember), zu Wintersonnwend (22. Dezember) und vor Dreikönig (6. Januar). „Percht" meint dabei ursprünglich eine weibliche Gestalt, verkörpert wird sie aber von Männern, meist jungen Burschen.

In jüngster Zeit kann man beobachten, daß die Grenzen zwischen „Perchtn" und „Krampus" fließend geworden sind: Der Nikolaus wird zwar nach wie vor von Krampussen begleitet, die aber völlig das Aussehen hässlicher Perchten haben. Und das nächtliche Treiben der Perchten am und vor dem Nikolaus-Tag, mit und vor allem auch ohne den die Belohnungen und Strafen bringenden Bischof, heißt in den Dörfern in Salzburg und Kärnten „Krampus-Treiben".

Video zum Berger Partl Umzug, Tratten 2013:

Hier haben, wie auch anderswo, Perchten und Krampusse, etwa seit Mitte der Siebziger Jahre, eine Renaissance erfahren. Die Fachleute sind sich dabei bis heute nicht einig, ob es sich hier um die Wiederbelebung früherer, tatsächlich alter Bräuche handelt - oder um einen modernen Folklorismus, wo auf der Suche nach Geschichte eine „Selbstfindung im Mythos" angestrebt wird, unter 'Ausbeutung' der Geschichte und der Tradition.

Wie auch immer: Der Partl-Lauf in Berg macht Spaß und bietet gelungene Abwechslung. Zeitgleich zum Adventmarkt zeigen sich die Krampusse in voller Montur: mit furchterregenden Holzmasken, stark bemalt und stets mit eindrucksvollen Hörnern versehen; außerdem mit zottigem Fellgewand, großen und schweren Schellen oder Glocken und dazu, zur weiteren Einschüchterung des Publikums, etwas zum Zuschlagen (Pferdeschwanz, Rute). Die Ausrüstung ist viele Kilogramm schwer, und das Laufen als Krampus ist eine beträchtliche Anstrengung, die viel Kraft und Ausdauer verlangt.

Mehr Informationen zu Brauchtum in Berg im Drautal.

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