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Der König der Weitwanderer

Wandern in Kärnten: Der bekannte Weitwanderer Johann Hufnagel
Johann Hufnagel

Zu Beginn der Wandersaison ist es Zeit, einmal an einen ganz großen (und hoffentlich bald) Ehrenbürger von Berg im Drautal zu erinnern: Johann Hufnagel (1909-1991). Der gebürtige Ungarndeutsche, der seinen Lebensabend in Berg verbrachte, zählt zu den bekanntesten Weitwanderern Europas. Er hat nach 1945 – belegt in mehreren Tourenbüchern – über 45.000 Kilometer quer durch den Kontinent zu Fuß zurückgelegt und den „Eisernen Vorhang“ in beide Richtungen überschritten, lange bevor er 1989 gefallen ist. Mit seinem langen Wanderstock ist der passionierte Naturliebhaber so zumindest einmal rund um den Globus marschiert. Sein Werdegang ist heute im Weitwandermuseum Eibiswald dokumentiert. Für seine Verdienste erhielt er die Johann-Gottfried-Seume-Medaille der Weit- und Fernwanderer.

Nachdem er 1970 in den Ruhestand trat, steigerte er sein Marschpensum kontinuierlich. Oft war er monatelang unterwegs, einmal von Kopenhagen über Konstanz und Graz bis nach Budapest, ein anderes Mal von Mannheim über die Alpen bis nach Albanien. In zahlreichen Märschen durchquerte der rüstige Rentner halb Europa – von Bulgarien, wo er zahlreiche Wanderfreunde hatte, bis nach Barcelona, wo seine älteste Tochter lebte. Autofahren lehnte er strikt ab! Auf seinem Tourenplan standen alle großen Pilgerwege, Ziele waren zumeist Wallfahrtsorte wie Montserrat und Lourdes in Frankreich, Fatima in Portugal oder Santiago de Compostella in Spanien, das er sogar zweimal als Ziel auserkor.

Europaweit bekannt und gefeiert

In mehreren Veröffentlichungen beschrieb Hufnagel die verschiedenen europäischen Weitwanderrouten, die er teilweise als erster in der vollen Länge beschritten hatte. Etliche Zeitungen berichteten von seinen Wanderungen, auch im ungarischen Rundfunk musste er von seinen Erlebnissen erzählen. Der alte Hufnagel propagierte das Weitwandern auch bei jungen Menschen und forderte sie auf, ihr Auto stehen zu lassen und die Natur und Umwelt abseits der Touristenströme zu erkunden. Seinen Lebensabend verbrachte er in Mannheim und Berg im Drautal, wo sich der gelerne Zimmerer ein Ferienhaus gebaut hat. Doch man ahnt es schon, die meiste Zeit war er dann doch irgendwo unterwegs.

Im Weitwandermuseum Eibiswald in der Südsteiermark ist eine lebensgroße Puppe mit dem vollständigen und originalen Wander-Outfit von Johann Hufnagel zu besichtigen. Noch zu Lebzeiten hat er dem Museumsgründer und Begründer des Weitwanderns, Carl Hermann, seinen mittlerweile historischen Nachlass vermacht: Wanderjoppe, Rucksack, Knickerbocker, Wadelstutzen, Wanderschuhe und natürlich einen seiner legendären Wanderstöcke. Auch seine Briefe und Tourenbücher sind dabei: So stolz war er darauf, dass ihn seine Wanderfreunde und Kollegen aus ganz Europa zum "Größten" und "König der Weitwanderer" gemacht hatten. (ws)

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