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Die Südtiroler in Berg im Drautal

Von Malerei und Mahlsteinen

Die Südtiroler in Berg im Drautal: Von Malerei und Mahlsteinen
Fresko im Karner

Die Südtiroler in Berg im Drautal
Von Malerei und Mahlsteinen

Trotz seiner wichtigen Verkehrsverbindung war das Oberdrautal im 15. Jahrhundert ein abgelegenes und von der Obrigkeit vernachlässigtes und dünn besiedeltes Gebiet. Wenige, vergleichsweise bescheidene Kulturschätze zeugen davon, dass der Lebensraum hier härter war als anderswo. Der Talboden war von Wald und Moos überzogen, durch das sich die Drau in vielen Nebenflüssen dahin mäanderte, die Bauern siedelten an den Hängen und auf Terrassen, die sie für den Ackerbau rodeten. Die wenigen Verkehrswege waren staubig und rumplig, mehr als 30 Kilometer kam man pro Tag nicht voran – egal ob mit Kutsche, zu Pferd oder zu Fuß.

Meister Thomas von Villach (1435-1525) war der erste bekannte Kärntner Künstler aus dieser Zeit, der im Oberdrautal tätig wurde, von ihm stammen die schönen Fresken im Gerlamooser Kirchlein bei Steinfeld. Die meisten anderen künstlerischen (sakralen) Arbeiten wurden von Südtirolern ausgeführt, so auch die Fresken in der St. Athanasiuskirche, die um 1481 von einer, der Brunecker Pacherschule nahestehenden Südtiroler Werkstätte geschaffen wurde. Die 1443 erstmals urkundlich erwähnte Kirche wurde 1485 vom Bischof von Caorle eingeweiht.

Der rege Austausch mit Südtirol (neben dem mit Salzburg) ist auch am Karner, dem alten Gebeinhaus neben der Pfarrkirche Berg zu sehen, der dem heiligen Michael geweiht ist (deshalb im Volksmund „Michelele“ genannt). Der zweigeschossige romanische Bau mit Halbkreisapsis beherbergt im Obergeschoß eine Kapelle, die mit einem sechsteiligen Bandrippengewölbe ausgestattet ist. Die wunderschönen Fresken dort zeigen laut Experten starken Südtiroler Einfluss und sind mit der Jahreszahl 1428 datiert.

Dass diese Annahme der Experten durchaus richtig ist, zeigt ein anderes „Fundstück“ aus dieser Zeit. Als Glocknerhof-Seniorchef Adolf 1981 die alte Zametter-Mühle vom ursprünglichen Standort am Mühlbach zum heutigen Moortetbad verlegte, staunte er nicht schlecht: Der gut erhaltene Mahlstein, der seiner Beschaffenheit und Herkunft eindeutig dem Südtiroler Grödnertal zugeordnet werden konnte, trägt die Jahreszahl 1427 eingemeiselt, ein schlichter Hinweis auf das unglaubliche Alter unseres Bauernhofs.

In diesem Jahr 1427 wurde übrigens die Uhrfeder erfunden, der Portugiese Diego de Silves entdeckte im Auftrag Heinrich des Seefahrers die Azoren, und im römisch-deutschen Reich tobten gerade die Hussitenkriege ... (ws)

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