Blog vom Glocknerhof - rote Blumen, Rosen

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Wie aus Türken Plentn gemacht werden

Die Geschichte von Polenta, Türkensterz und den Kärntner Plentn

Türkensterz oder kärntnerisch „Plentn“ ist ein fester Brei aus Maisgrieß und gehört zur regionalen Kochtradition im Oberdrautal.

Etwa zeitgleich mit den Kartoffeln eroberte der Hartmais im 16. Jahrhundert die kargen Tische der Kärntner Landbevölkerung, urkundlich erwähnt wurde der Maisanbau hierzulande erstmals 1542. Er kam von Südamerika über die Levante nach Italien und von da in die Alpen, von wo er sich rasch verbreitete.

Der Name Plentn leitet sich aus dem italienischen Polenta ab, gebräuchlich ist er vor allem in Kärnten und Tirol (Plent), während die Steirer Sterz sagen. Im Rohzustand auf dem Ackerfeld wird er „Türken“ genannt. Wohl deshalb, weil die hochgewachsene Pflanze während der Türkenkriege im 16. Jahrhundert zu uns kam und oft angenommen wurde, dass sie ein Mitbringsel der Osmanen sei.

Bis ins 20. Jahrhundert war Maisbrei ein weitverbreitetes „Arme-Leute-Essen“ von Spanien bis nach Südrussland. In Norditalien ist Polenta bis heute so beliebt, dass die Süditaliener ihre nördlichen Landsleute etwas abfällig polentoni (= Polentafresser) nennen. In Venetien gibt es als regionale Spezialität „Polenta bianca“, weiße Polenta, die aus geschälten Maiskörnern einer helleren Sorte besteht. Weißen Mais gibt es auch bei uns als „Gailtaler Landmais“.

Noch bis in die jüngste Vergangenheit gehörten Plentn mit Butter, Milch oder Kaffee zu einem ordentlichen „Kärntner Frühstück“. Viele Ältere essen sie noch heute gerne zu Abend. Leider ist die Hartmaisproduktion aber derart von der Futtermaisproduktion verdrängt worden, dass es im Oberdrautal nur noch wenige Anbauflächen gibt, um "Drautaler Plentn" zu erzeugen. Dies soll nun wieder anders werden, dank einiger Sensopark-Pioniere.

Pioniere im Oberen Drautal

Michael Dünhofen vom vlg. Brunner will die Maisgrießproduktion wieder ankurbeln, sät alte Sorten und versucht weitere Bauern zu gewinnen, mitzumachen. Bei ihm wird noch alles per Hand gemacht, vom Säen, Unkraut jäten übers Ernten, Rebeln und Fiedern bis zum Mahlen. Die alte Brunner Mühle wurde vor wenigen Jahren restauriert und kann die (noch) bescheidenen Mengen bewältigen. Sobald die Mengen größer werden und der Bedarf in der Region wieder steigt, soll verstärkt in neue Verarbeitungstechnologien investiert werden. (ws)

„Maisgrieß ist eine wunderbare Basis für viele tolle Speisen“, sagt Michael. Plentn eignen sich als Vorspeise, Hauptgericht und als Süßspeise, als Beilage ebenso wie als Grundlage. Und die Zubereitung ist denkbar einfach am Herd mit Wasser, Butter (Schmalz) und ein bisschen Salz. Michaels Plentngrieß vom Berger Land ist hellgelb und schmeckt vorzüglich. „Am besten schmeckt die Brintschl, das ist die Plentnkruste, die man am Ende aus dem Kochreindl (der Pfanne) kratzt. Guten Appetit und lasst’s euch schmecken!“

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Sensopark Berg im Drautal
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